PETER FOX IST ZURüCK MIT NEUEM ALBUM

„Gegengift Liebe“

Peter Fox ist zurück mit neuem Album

Nach drei Singles erscheint nun mit „Love Songs“ das zweite Solo-Album von Peter Fox. 15 Jahre nach dem Erfolg mit „Stadtaffe“ hat der Seeed-Sänger eine Ansage: Macht schon mal den Dancefloor frei.

Berlin - Was tun nach dem bis heute erfolgreichsten Deutsch-Rap-Album? Zumal, wenn es eigentlich ein einmaliges Solo-Projekt sein sollte? Ein richtig fettes Album könnte eine gute Antwort sein. Peter Fox hat lange Zeit Ideen gesammelt - viele Partys, Jam-Sessions, Barbecue in Gärten und Studio-Nächte lieferten gutes Material.

Extrem tanzbare Songs

15 Jahre nach seinem Erfolgsalbum „Stadtaffe“ hat der Seeed-Sänger nun wieder elf eigene Songs zusammen. Die Dancefloors der Republik dürften bald vibrieren: Am 26. Mai kommt mit teils extrem tanzbaren „Love Songs“ das zweite Solo-Album des 51-Jährigen raus.

Die Gerüchteküche brodelte schon länger: wieder ein Solo-Projekt von Fox? Der Musiker spielte nach dem „Stadtaffe“-Hype bereits Abschiedskonzerte als Einzelkünstler. „Mit anderen Leuten zusammen Musik machen ist viel geiler, als alles alleine zu machen“, sagt Fox nun zum aktuellen Album. „Das war auch ein Ziel von der Produktion, dass man hört, dass Menschen involviert sind.“ Er habe die Platte nicht allein im stillen Kämmerlein gemacht.

Fox produzierte wieder mit Seeed, die Band tourte - und wurde gefeiert. Mit „Zukunft Pink“ kündigte sich das musikalische Solo-Beben Ende 2022 bereits an. Ein Brett von einem Song, gefolgt von zwei weiteren starken Singles.

Das neue Album

Nun also „Love Songs“. Niemand sollte sich von dem Titel einlullen lassen. Für Fox ist bei Liebesliedern auch „die Cheese-Gefahr groß“. Die Beats des als Pierre Baigorry in Berlin geborenen Fox lassen fast durchgehend Köpfe wackeln, Schultern schwingen, Hüften kreisen. Nur mit „Regen in Dubai“ lässt Fox kurz durchatmen. Ein Song über die im Kern doch deprimierend einsame Welt von Influencern. Die Wüstenstadt ist dabei nur Synonym für tägliche Selbstdarstellung.

Eine Portion Selbstironie klingt bei „Celebration“ durch - der Beschreibung eines Lebens zwischen Hype und Hybris. „Weiße Fahnen“ markiert ein Plädoyer für Abrüstung bei den kleinen und großen Konflikten des Alltags. Die Ehrerbietung eines Partners wie in „Tuff Cookie“ („bei Stress will man dich im Team haben“) sei jedem Menschen gewünscht. „Gegengift“ ist eine Liebeserklärung an die Macht der Liebe angesichts eines Lebens zwischen „alle People im Tunnelmodus“. Die beiden Songs haben zudem extremes Hit-Potenzial wie einst „Schwarz zu Blau“ vom ersten Album.

Zum Thema Vergleiche: Mit dem mandolinenfröhlichen „Toscana Fanboys“ legt Fox eine Hymne vor, die „Haus am See“ in Sachen gute Vibes in angenehmster Atmosphäre nicht nachsteht. Womit auch über die Features zu sprechen wäre. Schon bei „Zukunft Pink“ sorgte Fox mit Ätna-Sängerin Inéz Schaefer für einen Volltreffer und überließ ihr zudem den stärksten Part des Refrains. Bei „Celebration“ ist der Hamburger Singer-Songwriter Benjamin Asare dabei. Für „Toscana Fanboys“ hat Fox noch einen echten Coup gelandet. Italo-Legende Adriano Celentano rappt im Song mit inzwischen 85 Jahren über Liebe machen, wenn es draußen regnet.

Songs über Liebe, Zoff und Party

Die Texte um Liebe (mit Zeilen wie „keiner hat es drauf wie du“) und Zoff („Die Wut steht in der Tiefgarage“), Leben („tendenziell überfordert“) und Party („beim Feiern immer aufm Gas“) entstanden zusammen mit David Conen vom Hip-Hop-Team The Krauts - den langjährigen musikalischen Begleitern von Fox. Auch der recht umtriebige Kraftklub-Sänger Felix Kummer hat Ideen geliefert.

Beim Album „Stadtaffe“ setzte Fox viel auf Percussion und Streicher. Die Percussion-Elemente hat der Mitgründer der Berliner Drumline-Schule „Bäm!“ deutlich verstärkt. Sie sind noch mal präsenter, treiben durch Songs und das ganze Album, geben die häufigen Rhythmuswechsel vor.

Zudem wird viel rhythmisch geklatscht, was den Partycharakter des Albums unterstreicht. Auch die Fox-typischen Streicher-Passagen sind wieder dabei, arrangiert erneut von Gunter Papperitz. Als verbindendes Element der „Love Songs“ kommen noch stets präsente Chor-Passagen hinzu.

Fox bald auf Solo-Tour

Stilistisch greift Fox gut 35 Minuten lang in viele bunte Töpfe für gute Beats: Dancehall natürlich, viel elektronische Clubmusik und jede Menge Afrobeats mit west- und südafrikanischen Einflüssen wie der Dance-Music-Stil Amapiano prägen das Album. Die Diskussion um kulturelle Aneignung fand Fox „nicht cool und nicht fair“. Dennoch für „sicher alle irgendwie was zu lernen“. Seine Erkenntnis: „Ich hätte es geiler kommunizieren müssen und dann wäre das bestimmt smoother abgelaufen.“ Die Diskussion haben ihm „erstmal den Stecker gezogen“.

Alles auf dem Album wird eingerahmt von zwei der bereits veröffentlichten Songs. „Ein Auge blau“ als Opener steckt noch mitten in den Krisen alltäglicher Einschläge, „Zukunft Pink“ macht als echter Höhepunkt eines starken Albums den Rausschmeißer voller Optimismus - immer gern auch on the rocks. Abkühlung wird auch notwendig sein. Fox ist im Sommer für ein Dutzend Festivals gebucht, die 16 Konzerte der Solo-Tour sind weitgehend ausverkauft.

Dance on! Doch halt, man müsse auch Platz machen. „Ich sehe mich auch nicht mit 70 auf der Bühne noch "Schüttel deinen Speck" singen.“ Fox fühlt sich nach eigenen Angaben nicht mehr wie ein Popstar. „Ich habe schon das Gefühl, dass ich zu alt dafür bin“, sagt er. „Trotzdem macht es Spaß. Ich bin aber ziemlich sicher, dass ich so ne Nummer nicht nochmal mache.“ dpa

2023-05-26T06:29:18Z dg43tfdfdgfd