ENGLISH THEATRE: „SOMETHIN ROTTEN“ - WILL, DER MEGASTAR

English Theatre Frankfurt

English Theatre: „Somethin Rotten“ - Will, der Megastar

Das English Theatre Frankfurt bringt den Riesenspaß „Somethin Rotten“ auf die Bühne.

Eine aufwendige Produktion für ein 14-köpfiges Ensemble wagt das English Theatre Frankfurt, obwohl sein weiteres Schicksal immer noch in den Sternen steht – da Wahrsager Nostradamus darin mitwirkt, vielleicht kann er ja helfen? Der Stand fürs tapfere Theater: die Räumungsklage der Commerzbank ist keineswegs vom Tisch, mit dem Investor Capitaland, der von der Commerzbank kaufte, verhandelt die Stadt aber nun immerhin. Die EZB wiederum ist ein Mietinteressent und würde das Theater wohl nicht rausschmeißen. Doch ist auch eine umfassende Sanierung des Hochhauses Gallileo geplant, dann müsste das English Theatre – jedenfalls vorerst– ausziehen. Mögliche Bauarbeiten passieren, so hofft das Theater, nicht vor Ende März 2024, denn so lange möchte man „Something Rotten“ spielen.

Englischsprechende werden wissen, dass eine berühmte, gern in diversen Zusammenhängen zitierte und abgewandelte Shakespeare-Zeile lautet: „Something is rotten in the state of Denmark“. Karey und Wayne Kirkpatrick (am Buch war noch John O’Farrell beteiligt), die 2015 am Broadway das Musical „Something Rotten“ herausbrachten – die Begeisterung war gleich groß, was nicht wundert –, lassen also zwei erfolglose Theatermänner des Jahres 1595, die Brüder Nick und Nigel Bottom, verzweifelt nach einer tollen neuen Idee suchen.

Nick, Greg Miller Burns, schleicht zum Wahrsager, der sich willig zeigt, das größte aller noch kommenden Shakespeare-Stücke vorherzusagen, auf dass die Bottoms es geschwind selbst machen. Leider gibt es ein entscheidendes Missverständnis: Nostradamus, ein wunderbar agiler Tom Watson, versteht „omelette“ statt, nun ja, den Namen des zaudernden Dänen, glaubt außerdem, dass „Danish“ sich auf das Gebäck bezieht. Außerdem wird der Text gesungen, getanzt wird auch, man nennt das Musical, gibt er zu Protokoll. Musical? Das leuchtet den Bottoms nach einer Weile ein, sie lassen also bald Eier singen und steppen. Und Nick gibt den Prinzen, der im Angesicht eines Rieseneis die berühmten Zeilen spricht: „To be or not to be“.

Bruder Nigel, Sami Kedar, aber ist frisch verliebt (in die liebreizende Puritanerin Portia, Briana Kelly) und möchte beim Schreiben des Stückes plötzlich seinem Herzen folgen. Und der Finanzier ist längst abgesprungen; der Jude Shylock, Jonathan Norman, bietet sich an, er ist hier ein wahrer Theaterenthusiast, aber sein Geld zu nehmen ist im Jahr 1595 illegal. Fehlt noch eine weibliche Shakespeare-Figur mit Wumms: Hier heißt sie Bea uns ist mit Nick verheiratet, Rachael Archer muss sich gewaltig umziehen, als Bursche versucht sie das Geld zu verdienen.

Zum Beispiel als eine Art Roadie bei den Auftritten des Renaissance-Megastars Will Shakespeare aka Will Power aka der Barde, auf denen nicht nur die weiblichen Fans vor Entzücken schier in Ohnmacht fallen. In Lack, Leder, schwarzer Spitze und mit großer Geste tritt Matt Beveridge auf, beklagt sich auch noch: „It’s hard to be the Bard“. Er versucht allen Ernstes, Nigel die brillanten Formulierungen zu stehlen, die dieser verfasst hat. Klar, dass es in „Something Rotten“ Shakespeare-Zitate und -Anspielungen in rauen Mengen (und oft von rauer Art) gibt. Es steigert das Vergnügen an diesem Abend also beträchtlich, wenn man seinen Shakespeare einigermaßen kennt.

Aber es ist auch ein Musical – hier muss das Lob für das famos tanzende und singende Ensemble kommen sowie für Regisseur Ewan Jones, der auch die flotten Choreografien verantwortet. Zwar spielt die Musik in Sachen Originalität allenfalls im Mittelfeld, dafür kann man manchen kleinen Seitenhieb heraushören. In einer Vision sieht Nostradamus zum Beispiel Katzen, nur Katzen auf der Bühne. Das ist ja noch unglaublicher als steppende Eier, ehe sie zum Omelett werden!

Doch nicht einmal ein Ei wird hier geköpft, nur nach Amerika werden die kühnen Musical-Macher mitsamt Shylock verbannt. Da feiert man sich im Heute schnell noch als Land der Freiheit.

English Theatre Frankfurt: bis 31. März (hoffentlich). www.english-theatre.de

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