Etliche US-Stars treten bei einem umstrittenen Festival in Saudi-Arabien auf. Fans, Kollegen und Menschenrechtsorganisationen üben Kritik. Für Burr selbst war es eine tolle Erfahrung, wie er nun erzählt.
Die US-amerikanische Comedyszene streitet über ein kontroverses Comedyfestival in Saudi-Arabien. Bei dem Event in der Hauptstadt Riad treten Stars wie Dave Chappelle, Kevin Hart, Aziz Ansari, Louis C.K., Pete Davidson und Bill Burr auf. »Mehr als 50 der weltbesten Comedians« sind den Veranstaltern zufolge noch bis 9. Oktober zu sehen.
Bill Burr, 57, verteidigte nun seinen Auftritt gegen immer lauter werdende Kritik. Im »Monday Morning Podcast« nannte er den Auftritt »unfassbar« und »eine der drei besten Erfahrungen, die ich je hatte«. Und weiter: »Die Royals haben die Show geliebt. Alle waren fröhlich. Die Festivalorganisatoren waren begeistert.«
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Weniger begeistert waren Comedykollegen und Menschenrechtsorganisationen. Human Rights Watch warf den Veranstaltern in Riad vor, ihr schlechtes Zeugnis beim Thema Menschenrechte übertünchen zu wollen. Viele der teilnehmenden Comedians würden das Recht auf freie Meinungsäußerung verteidigen, den Menschen im Land würde dieses aber komplett verwehrt.
Teile der Comedybranche werfen den Komikern vor, für hohe Gagen mit einem stark repressiven Staat zusammenzuarbeiten. »Ich bin angeekelt und zutiefst enttäuscht über diese ganze widerliche Sache«, sagte etwa der US-Comedian und Schauspieler David Cross, bekannt aus der Serie »Arrested Development«. »Dass Menschen, die ich bewundere, mit unbestrittenem Talent, dieses totalitäre Feudalwesen dulden für ein viertes Haus? Ein Boot? Mehr Turnschuhe?«
Berichten zufolge sollen die Teilnehmer Hunderttausende US-Dollar für ihre Auftritte erhalten. Manche sprechen sogar von Millionensummen für nur einen Auftritt.
Cross hob Bill Burr, Dave Chappelle und Louis C.K. in seiner Kritik besonders hervor und sagte, sie hätten nun das Recht verloren, sich über Zensur oder »Cancel-Culture« in den USA zu beschweren.
Die Komikerin Atsuko Okatsuka sagte, sie habe zuvor eine Einladung zu einem Auftritt abgelehnt und Auszüge aus einem Vertrag vorgelegt, der Verbote für politische, religiöse und LGBTQ+-Inhalte enthielt. Burr bestätigte diese ursprünglichen Einschränkungen, behauptete jedoch, dass sie nach Protesten der Künstler gelockert worden seien.
»Den Organisatoren wurde gesagt: ›Wenn ihr gute Comedians haben wollt, wird das so nicht funktionieren‹«, sagte Burr. »Zu ihrer Ehre sagten sie: ›Na gut, was müssen wir tun?‹ Und sie handelten alles bis auf ein paar Punkte herunter: Man darf sich nicht über Royals oder Religion lustig machen.« Laut Burr konnte er den größten Teil seines regulären Programms mit nur geringfügigen Anpassungen aufführen.
Comedian Marc Maron verwies darauf, dass der saudische Kronprinz und faktische Herrscher Mohammed bin Salman, der Veranstalter des Festivals, derselbe Mann sei, der Journalist Jamal Khashoggi 2018 habe zerstückeln lassen.
Saudi-Arabien gibt seit einigen Jahren gewaltige Summen aus, um große Veranstaltungen in Sport und Unterhaltung auszurichten. Die Schritte sind Teil einer großen Wirtschaftsreform, mit der das Land sich vom Öl unabhängiger machen und für den Tourismus öffnen will. Kritikern zufolge geht es aber auch darum, das Image trotz der schlechten Lage der Menschenrechte zu verbessern.
Burr bleibt bei seiner Meinung. »Die Menschen sind cool. Das Problem sind die Regierungen«, sagte Burr. »Jedes Mal, wenn ich reise, lerne ich dasselbe. Und die Menschen, die ich dort getroffen habe? Sie wollten einfach nur lachen. Und das haben sie auch getan.«
Bei seinen Fans kamen die Aussagen jedoch nicht besonders gut an. Die Kommentare unter dem YouTube-Video seines Podcasts sind vernichtend: »Stell dir vor, du hältst 20 Jahre lang Vorträge über Integrität und fliegst dann auf Kosten der Regierung in der Businessclass nach Riad. Das ist Ironie auf höchstem Niveau, Bill.«
2025-10-02T08:38:06Z