ERFOLGREICHE MENSCHEN SEIEN „ZERFRESSEN“ VON EHRGEIZ – AUCH BEI IHREN HOBBYS, SAGT DER MANN, DER IHRE MILLIARDEN VERWALTET

Wohlhabende Menschen haben viele Hobbys, um sich abzulenken, sagt Vermögensverwalter Christian Freiherr von Bechtolsheim.

Persönlich habe ich in vielen Begegnungen mit erfolgreichen und wirtschaftlich prosperösen Menschen den Eindruck gewonnen, dass man, je weiter man auf der Pyramide des Vermögens und der gesellschaftlichen Anerkennung geklettert ist, immer mehr über den Sinn des Lebens nachdenkt.

Solange der Kopf mit dem Kampf um das tägliche Brot beschäftigt ist, so lange bleibt man häufig nicht mit diesem Gedanken konfrontiert. Sehr erfolgreiche Manager oder auch Unternehmer der ersten Generation haben diverse Methoden gefunden, sich abzulenken. Ob Sport, Yoga, Meditation oder das Sammeln von Kunst. Alles wird mit äußerster Akribie und mit viel Ernst betrieben.

Einer der erfolgreichsten deutschen Berater, inzwischen selbst ein sehr wohlhabender Mann, bemüht sich noch heute bei Wettrennen in Kitzbühel, seine häufig 30 und 40 Jahre jüngeren Kollegen zu übertrumpfen. Häufig gelingt es ihm noch immer.

Die Hobbys der reichen und erfolgreichen Menschen

Sich von Ehrgeiz zerfressen, beweisen zu wollen, dem Verfall etwas entgegenzusetzen und sich somit selbst zum Denkmal zu erheben, das ist ein Phänomen, dass wir in solchen Kreisen häufig finden. Körperkult und Kampfeswillen: Man möchte nicht nur im Geschäft, sondern auch im Privatleben erfolgreich sein.

Microsoft-Gründer Bill Gates beim Tennis spielen.

In der Generation derjenigen, die schon über ein gut abgehangenes, ererbtes Vermögen verfügen, gibt es häufig Jäger, Tennis- und Bridgespieler, Segler und fast immer kulturelle Interessen. Es wird das Hobby nicht mehr ganz so ernst genommen, außer es handelt sich um eine Stiftung als Lebenswerk oder auch um eine Kunstsammlung. Hier soll ein signifikanter Punkt gesetzt werden: Ob man die größte David-Hockney-Sammlung der Welt sein Eigen nennt oder eine der bedeutendsten Sammlungen für Hand-Zeichnungen der Renaissance besitzt. Da hat der Anspruch keine Grenzen.

Hat eine Familie noch mehr Generationen durchschritten, so erwacht der alte, eigentlich positiv besetzte aristokratisch gelebte Begriff des Dilettantismus. Nirgends besonders gut zu sein, oder dies zumindest hinzunehmen, aber überall mitmachen können, ob Golf oder Bridge, ob Reiten oder Jagd, beim Skifahren, auch durchaus mal eine längere Mittagspause machen.

Dieser Typus tritt zumeist erst bei Familien zutage, die über Generationen dazugehören. Der Zweck ist es überall ein gefragter Partner sein zu können, Freundesrunden, ob im Sport oder Kartenspiel ergänzen zu können, um sich und anderen eine kleine Freude zu bereiten. Es dient letztlich dem Zeitvertreib.

Warum Glück oftmals nicht geschätzt wird

Aber all dies kann nur eine gewisse Zeit dazu dienen, die Gedanken über den Sinn des Lebens zu verscheuchen. Glücklich in einer Familie zu sein, die Kinder groß werden zu sehen. Vielfach wird dieses Glück viel zu wenig beachtet oder wertgeschätzt, aber selbst dieses Glück kann nach dem Wegzug der Kinder einer großen Leere im verlassenen Elternhaus weichen. 

Mir persönlich hilft hierbei nur eine tief verwurzelte Religiosität. Ohne Spiritualität fehlt mir eine Dimension, die in der Lage wäre, alles zu durchdringen und selbst auch das tägliche Leben bis zum geschäftlichen Gebaren zu beeinflussen. Wenn ich mir meinen eigenen Weg anschaue, so ist dies ein langer Prozess gewesen.

Christian Freiherr von Bechtolsheim verwaltet die Milliarden von Deutschlands reichsten Familien.

Erst über viele Jahre habe ich mir eine tief im Christentum gegründete Gesinnungsethik angewöhnt. Wenn ich an mein früheres Leben als langjähriger Junggeselle oder auch meine beruflichen Anfänge denke, so erröte ich noch heute über so Manches.

Meinen Kindern wünsche ich, dass aus ihnen gläubige, empathische und passionierte Menschen werden. Wenn dies gelänge, so wäre es die wertvollste Hinterlassenschaft eines Elternhauses. Mit einem solchen metaphysischen Fundament können auch schwierigste Zeiten und Entbehrungen überstanden werden. Der jüdische Psychiater und Auschwitz-Überlebende Viktor Frankel schreibt dazu: "He who has a why to live for, can bare almost any how."

*Christian Freiherr von Bechtolsheim ist Gründungspartner der Focam AG. Er verwaltet große Vermögen namhafter Unternehmerfamilien und Stiftungen. Zudem ist er Co-Autor des Buches „Vermögen bedeutet Verantwortung“.

2023-08-04T14:22:32Z dg43tfdfdgfd